Digitales im hochalpinen Bereich

Die digitale Invasion hat viel Nützliches gebracht. Das iPhone oder der Computer können aber nicht immer und überall das menschliche Hirn ersetzen.

Vor einigen Tagen wurde ich Zeuge einer Begebenheit, die sich auf einem Berg im Salzkammergut zugetragen hat. Eine etwa 20-jährige Frau wollte über einen Klettersteig auf den Gipfel gelangen. Mit dem iPhone in der Hand und Kopfhörer aufgesetzt ging sie das Abenteuer an. Allerdings nicht auf dem Klettersteig, sondern auf einem Rundweg der wieder zum Ausgangspunkt zurückführte. Trotz Wegweiser und Markierung hatte sie die Abzweigung übersehen. Am Scheitelpunkt des Rundweges – von da an geht es wieder bergab – versuchte sie im steilen, weglosen Gelände „nach oben“ zu kommen.

Da plötzlich eine Stimme: „Hallo Dirndl, dra um, sonst fallst obi, dös is a Weg für d`Gams, net für di“. Ein älterer, erfahrener Bergsteiger rief der Frau das zu.

In einem anschließenden Gespräch erzählte die Frau wie sie auf die Idee gekommen war, den Berg zu bezwingen. Sie hatte im Fernsehen einen Bericht über diesen Klettersteig gesehen. In einem Sportgeschäft kaufte sie die Ausrüstung. Dann noch eine TourenApp am Iphone installiert und schon kann es losgehen.

Nicht immer und überall gibt es eine warnende Stimme. Bergretter können davon berichten, wie schlimm solche Abenteuer enden können. Die besten Beschreibungen, ob auf Papier oder digital, enthalten nicht alle Details.

Die Wege sind Unwettern und Steinschlag ausgesetzt und werden nicht nach jeder Beschädigung repariert. Der Schwierigkeitsgrad einer Tour ist auch sehr wetterabhängig. Eine als leicht beschriebene Tour kann schnell zu einer Schwierigen werden, wenn es nachts friert und der Weg am Morgen vereist ist. Man soll nicht glauben, weil man in der Kletterhalle einen hohen Schwierigkeitsgrad überwunden hat, dass man deshalb den Dachsteingipfel schon über die Südwand erklettern kann.

Das obige Beispiel zeigt, dass iPhone und gute Schuhe nicht genügen, um sich allein in den Bergen sicher bewegen zu können. Jahreszeit, Wetter und vorsichtige Selbsteinschätzung sind Voraussetzung für ein gutes Bergerlebnis.

Ausserdem, ich möchte nicht mit Kopfhörern durch die Natur wandern.